BERGLAUF, na das kann ja nur von Vorteil sein
‚Vor mir sehe ich einen Mountainbiker. Er tritt mit ganz hoher Frequenz, sein Vorankommen kaum mehr messbar. Sein lautes Atmen dringt bis zu mir herab. Ein Opfer! Den hol ich mir!‘
So nach nunmehr 6 Wochen der Regeneration, ich hatte mir mal so richtig Ruhe nach so einer fordernden Laufsaison verschrieben, konnte ich es dann doch nicht mehr erwarten nach meinem neuen Trainingsplan zu trainieren. Es sollte ja mal ganz was Neues sein, neue Trainingsreize, neuer Plan zu neuen Herausforderungen. Als Bewohner des doch schon etwas hügeligeren Voralpenlandes kann es nicht schaden mal den einen oder anderen Berglauf einzuplanen. Und so startete ich an jenem Tag los um wieder mal den Alpenberg zu bezwingen. Viele von uns kennen diese tolle Aussichtslokation, gelegen zwischen dem schonen Hongar und dem auch vielbesuchten Gahberg. Früher schon startete ich immer wieder mal einen läuferischen Aufstieg auf den Hongarrücken, doch mit den Marathontrainings, Intervallen und Tempoläufen wurden die Strecken mehr und mehr flach und asphaltiert. Aber heute war Sonne über der Nebelgrenze angesagt und das war schon Grund genug um aufwärts zu starten.
Meiner allerbesten Ehefrau eine gemeinsame Walkingrunde am Nachmittag versprechend starte ich los um die 450hm zu bezwingen, freute mich jetzt schon, wenn ich das ehemalige Nutellabrötchen-Frühstücksbasislager Loitzenwies passieren würde. Am Anfang noch ganz entspannt um des Aufwärmens willen lege ich los, steigere leicht das Tempo um es dann gleich wieder zu drosseln da es dann doch langsam steiler wird. Vorbei am neuen Wildtiergehege geht es stetig bergan, mal rein in den Wald den Wanderpfad entlang dann wieder am Forstweg auf Schotter. Es fällt mir relativ leicht so bergan zu laufen. War ich denn im Tempo doch etwas zu langsam? Als ich dann etwas anziehe spüre ich es, das pochen in meiner Brust und die Oberschenkel fangen schon zu ziehen an. Sollte ich doch zu lange Pause vom strukturierten Lauftraining gemacht haben. Meine Lungen pfeifen das Lied vom Tod. Gehpause! Nein, nicht mit mir. In meinem Kampf passiere ich die so idyllische Loitzenwies und auch die Alpenbergrast mit seinem durstlöschenden Brunnen. Hier geht es eher flach und bergab bevor es dann doch sehr steil bergan zum Alpenberg ansteigt. Hier kann ich kurz erholen. Dann aber die steile Etappe nach dem Abzweig zum Alpenberg, dort wo es ja wieder untersagt ist mit dem Bike zu radeln. Aber ich als Läufer, kein Problem, hatte ich doch vor einiger Zeit schon als Biker die Bekanntschaft des Försters gemacht. War damals straffrei gegangen, wegen Erstaufgreifung.
Steil geht es immer noch bergan, kurz bevor ich wieder meinen max. Puls erreiche und schon überlege etwas zurückzuschalten sehe ich ihn, einen Mountainbiker, trotz Fahrverbot. Er tritt mit ganz hoher Frequenz, sein Vorankommen kaum mehr messbar. Sein lautes Atmen dringt bis zu mir herab. Ein Opfer! Den hol ich mir, denke ich. Mein Jagdinstinkt ist erwacht, Testosteron löscht den Waldbrand in meiner Muskulatur und schaufelt Sauerstoff in meinen Kreislauf. Es ist nicht mehr weit auf den Gipfel des Alpenbergs! Ganz langsam schließe ich auf, gaaanz langsam. Jetzt hat er mich auch gehört, glaubt wahrscheinlich ein angeschossener Rothirsch ist ihm auf den Fersen. Bei meiner Atmung. Die Kette knirscht, die Schaltung klickert, meine Beine schwer, schlurf, schnauf, ich gehe an ihm vorbei hebe kurz die Hand zu Gruß. Er nickt freundlich mit hochrotem Kopf. Ja, Sieg ohne Wettkampf, ich schleppe mich weiter erreiche den Gipfel, bin völlig fertig. Endlich oben! Überlege kurz, war das am Trainingsplan, tja wenn der Jagdinstinkt erwacht!
So nach kurzer Verschnaufpause genieße ich doch die Aussicht, warte auf den Biker, der aber kommt nicht, muss wohl gleich zum Hongar abgebogen sein. Schade, wollte meinen Triumph nochmals genießen. Dann halt wieder bergab nach Haus. Ich hoffe meine Beine tragen mich noch bei der noch anstehenden Walkingrunde mit meiner allerbesten Gattin. Ja, Berglauf der bringt‘s! ……